Eine lange Zeit

 

Ich liebe diese Gedichte, weil die letzten Sätze mich immer in Trance versetzen.
- Wolf Vostell

Michaels Gedichte sind tiefgründig, witzig, humorvoll aus dem Leben einer "Jugend Seele" gegriffen.
- Arturo Pantaleón

Leseproben aus Eine lange Zeit

Was für Töne kommen da auf, schon wieder,
alles klingt laut und grenzenlos, doch hörst du,
die schöne Welt will mehr von dir,
singt nicht so feine Lieder,
weckt dich auf aus deiner Ruh,
schlägt auf dich ein, dort, vielleicht auch hier.

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Die Toten am Wegesrand, 
wie seit Jahrtausenden, da 
ist die Menschheit beständig, 
eingefrorene Dekadenz, ihr 
macht es immer, aber für wen, 
es geht alles weiter, auch ohne 
euch, warum dann das Bemühen, 
es läuft ab, mit gelegentlichen 
Störungen, es gibt viele Treppen 
in Jerusalem, so sang der Vater, 
abends bei der Trachtwurstsuppe, 
irgendwann umsonst gereicht, 
welche Hautfarbe hat das Schicksal, 
easy listening...

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Manchmal habe ich die
Erwartung nach Hause zu
kommen, ich fahre Straßen
aus alten Zeiten, parke an
Ecken des Vergessens, mach
das Licht aus, es waren die
Liegesitze, die mich nach
wie vor irritieren, reine
Mechanik, die mit der
Muttermilch eingesogen wird,
und immer die Hoffnung
auf unbeflecktes Terrain,
aber das geht nicht, Baby,
so bleibt alles schwammig,
bitter und traurig, jetzt
versuche mal den Gordischen Knoten
zu lösen, versuche es auf
deine Art, versuche es mit
deiner Liebe...

Beim Einblick in das umfangreiche Konvolut an Gedichten, Geschichten und Aphorismen, die der Autor oft amüsiert als „Sprüche“ oder „Notizen“ bezeichnet, öffnet sich vor dem Leser eine mehr als fünfzigjährige Zeitreise durch das umfangreiche Leben eines Berliners und Kosmopoliten zugleich. Sein Werk oszilliert um universelle Themen wie die Liebe, die Freunde, die Kindheit, das Alter, die Kunst an sich, mal persönlich reflexiv, mal mit objektiver Distanz generalisierend, mal realistisch-lakonisch, mal poetisch-melancholisch, mal philosophisch-nihilistisch, aber immer mit scharfer Beobachtungsgabe. Die Nähe zu seinen geistigen Vätern, zu Charles Baudelaire, Gottfried Benn und Charles Bukowski, zu denen sich Michael J. Wewerka offen bekennt, unterstreicht nur die existenzialistische Breite seines Werks.

Michael Wewerka ist ein besorgter, aber auch amüsierter Kommentator unserer Zeit - sprachlich brillant, gedanklich immer wieder verblüffend, lakonisch und zynisch und voller Bilder, die sich in den Köpfen der Leser weiterspinnen.
- Manfred Eichel

Michael J. Wewerka

Michael J. Wewerka, geboren 1936 in Berlin, hatte verschiedene Berufe - vom Tankwart und Taxifahrer bis zum Galeristen, Filmemacher, Verleger und Dichter. Nach dem Studium der Publizistik, Philosophie und Psychologie an der Freien Universität Berlin, widmete er sich zuerst dem Film: er drehte einige Dokumentar- und Fiktionsfilme, die das soziale und politische Klima im Berlin der 70er Jahre reflektierten. Unmittelbar darauf folgte die Gründung einer eigenen Galerie, die sich explizit auf zeitgenössische Kunst spezialisierte und im Laufe der Zeit einen internationalen Ruf erreichte. Nah war der Wunsch auch selber Künstler zu sein. Er fing an zu schreiben und zu malen. Im Jahr 1981 veröffentlichte die beiden Poesie-Sammlungen "Gefährliche Töne" und "Tropfen auf dem heißen Stein", im Jahr 1992 folgt auf spanisch "La muerte de Fenix", im Jahr 2014 der zweisprachige Gedichtband "Čas zralosti/Aus dem Sand der Phantasie" (tschechisch-deutsch).

Zur Zeit widmet sich der Autor nicht nur seinen Gedichten und Geschichten sondern auch seinen Gemälden, deren Stil sich "gegen das Chaos in der heutigen Welt" richtet.

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