Matthias Buth

Die weiße Pest

Gedichte in Zeiten der Corona

 

Die Pandemie durchzieht Staaten und Nationen weltweit. Es ist die weiße Pest. Wir müssen mit ihr leben, sie lässt uns nicht mehr los. In dieser Sterbe- und Überlebenszeit schreiben sich Matthias Buth Texte zu: Gefühl, Verstand, Sehen und Empfinden verbinden sich. Kann man mit Gedichten Fassung gewinnen? Oder kommt auch die Sprache an Grenzen? Das ist sicherlich so und nie war es anders. Und dennoch oder gerade deshalb wird geschrieben, schreibt Buth. Corona ist eine Metapher geworden für Leben, Überleben, Solidarität und für die Erkenntnis, dass – wie abends von den Balkonen in Bergamo, Köln und München in Dankbarkeit für die Helden der Kliniken gesungen wird – die Menschen Brüder und Schwestern sind, dass uns die Pandemie zusammenwirft und benachbart.

Die Gedichte dieser Sammlung sind in diesem Jahr entstanden, viele nehmen Themen auf, die unmittelbar aus den Wochen und Monaten der Corona ins Wort drängen, andere kommen hinzu, die sich andere Sprachinseln suchen, Gefilde, die Halt geben wollen – auf Zeit. Herausgegeben und verbunden mit einem literaturhistorischen Paßbild von Torsten Voß.

 

Stimmen über Matthias Buth und Die weiße Pest:

"Matthias Buths Gedichte bewegen sich zwischen Sterben und Lieben in dramaturgisch ausgefeilten Balancezuständen. Begriffsspiele durchdringen den Text, teils offen-fragmenatrisch mit umgedrehten Metaphern in schöner Sprache, wo plötzlich das unerwartete Wort aufscheint, der Bruch, der das paradoxe Gleichnis einleitet (…) Landschaften erscheinen als Projektionen von inneren Konflikten und Brüchen,als Schauplatz des Alltags und historischer Ereignisse, die den Menschen und die Topografie prägen. Aber auch die Fremde kann Heimat sein wie Europa, und man darf mit ihr weinen, wie im Paris-Gedicht über die ausgebrannte Kathedrale Notre-Dame."

– Heinz Weißflog, Dresdener Neuesten Nachrichten, am 8. Feb. 2021

 

"Die weiße Pest – Gedichte in Zeiten der Corona beherbergt eine exzellente Sammlung vieler, brillanter Gedichte, die guten Trost und fröhliche Irritation gleichermaßen bieten – und das nicht nur in pandemischen Zeiten. Groß ist der Kosmos des gelernten Juristen und Dichters Matthias Buth, der 1951 in Wuppertal geboren wurde." 

– Matthias Ehlers, WDR 5, am 6. Feb. 2021


"Einen beachtlichen Band … Keine Corona-Gedichte sind das – und zwar ganz bewusst nicht … Matthias Buth unternimmt den Versuch, das umfassende Thema Corona mit den Mitteln der Lyrik zu "packen". Herausgekommen ist ein sehr facettenreiches, lesenswertes Kaleidoskop des Lebens" 

– Stefan Seitz, wuppertaler rundschauam 20. Dez. 2020

 

"Trost und Skepsis in Corona-Gedichten: Für eine intensive, anregende Lektüre sorgen Buths neue Gedichte allemal."

– Daniel Diekhans, Westdeutsche Zeitung, am 14.12.2020

 

"Mit seinem Buch Die weiße Pest – Gedichte in Zeiten der Corona nimmt Buth somit ein bemerkenswertes literarisches Projekt in Angriff, das beiträgt, eine Lücke zu füllen: Die Literatur setzt sich mit gesellschaftlichen Zuständen vor dem Hintergrund der Pandemie auseinander, und dafür gibt es dringend Bedarf. Buth empfiehlt Gedichte als Ausweg aus der Krise, sie ermöglichen "Umarmungen ohne Arme", wie er feststellt. Damit ist bereits der neue Alltag in Zeiten der Pandemie angesprochen, der Autor nimmt eine eindrucksvolle Bestandsaufnahme vor."

– Thomas Rausch, Kölner Stadt-Anzeiger, am 3.12.2020

 

"Gesänge vom großen Strahlenkranz (…) Buth läßt keinen Zweifel aufkommen, daß in der Poesie mehr Trost liegt als in den Kirchen – »Die Kardinäle versteinern schon lange / In ausgebluteten Kirchen« (…) Verblüffend an Matthias Buths Gedichten ist die Verschränkung eines nüchternen Sprechens mit bunten Metaphern – die beiden Herzen von Jurist und Dichter schlagen in seinen Büchern im harmonischen Takt. Dennoch behält der enthusiastische Dichter dabei meist die Oberhand. (…) Und er hat, nach dem Worten des Philosophen und Kunstkritikers Arthur C. Danto, keine Scheu, »die Verklärung des Gewöhnlichen« voranzutreiben."

– Jürgen Brôcan, FixPoetry, am 22.11.2020

 

 

Auszüge aus dem Buch:

 

D 960

Schuberts Sonate Deutschverzeichnis 960
Beschreibt nichts sie
Sinkt singend ins Leere und leuchtet ohne Ziel

Erkennt uns als Höhlenmaler die
An Wänden und Decken hängen
Festgehalten von liebeslangen Klangseilen

Sie reißen nicht

 

HINDURCH

Worte sind ausgestellte Passierscheine
So können die Sätze weiterkommen

Und sie machen sich auf
Zwängen sich durch die Kontrollen

Der nicht mehr gültigen Abätze
Der vergessenen Kommata und anderen Haltepunkte

Der verbotenen Träume im Sprachverhau
Sie blicken sich nicht um

Erwarten kein Zurückrufen
Suchen nichts

Gehen weiter ohne Grenze
In sich

Matthias Buth

Autorenfoto: Heiko Loeffler

Autorenfoto: Heiko Loeffler

Matthias Buth, in Wuppertal-Elberfeld geboren. Er ist Lyriker und Essayist. 2018 publizierte er eine Lyrik-Auswahl Nr. 344 in der Reihe "Poesiealbum". Zusammen mit Günter Kunert gab er 2013 Dichter dulden keine Diktatoren neben sich heraus, ein Lesebuch zum 80. Geburtstag von Reiner Kunze. Zahlreiche Gedicht- und Prosabände erschienen und wurden auch in andere Sprachen übersetzt sowie vertont in Kammermusik- und Chorwerken, z.B von Abel Ehrlich (Tel Aviv) und Thomas Blomenkamp und Bernd Hänschke. Er ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS). Buth gehört zur langen Reihe der Dichter-Juristen, bis Ende 2016 war er Justiziar bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Kanzleramt und seitdem ist er Rechtsanwalt.

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