Jörg Rubbert

Paris - New York - Berlin

Straßenfotografie 1978-2010

Bei dem gemeinsam mit dem Kunsthistoriker Michael Nungesser konzipierten Fotobuch Paris - New York - Berlin handelt es sich um ein persönliches Resümee des Berliner Fotografen Jörg Rubbert aus mehr als 30 Jahren Strassenfotografie. Der Schwerpunkt liegt auf einer sozialkritischen Sicht auf den Alltag der Menschen und auf die besonderen Umstände sowie gesellschaftlichen Situationen in den drei Metropolen Paris, New York und Berlin.

An allen drei Orten fotografi erte Jörg Rubbert insbesondere die Charaktere und Gesichter hinter der Stadt: Die drei Städte bilden gleichsam den Rahmen, an dem bestimmte politische Ereignisse der Zeit festgemacht werden. So befassen sich einzelne Kapitel mit den Auswirkungen des Mauerbaus und den Umwälzungen der Wiedervereinigung in Berlin. Andere Kapitel behandeln das Leben in den sozialen Brennpunkten in Paris oder das New York der Ära David Dinkins, des ersten schwarzen Bürgermeisters einer amerikanischen Grossstadt.

An allen drei Orten hat Jörg Rubbert länge Zeit gelebt bzw. gearbeitet und darüber einen interessanten Vergleich zwischen den drei Städten ziehen können: Sowohl in Paris als auch in New York fotografierte er die Protestbewegungen der ausgehenden achtziger Jahre, z.B. in Paris die Demonstrationen der arabischen Immigranten gegen das Kopftuchverbot in öffentlichen Räumen. Oder in New York die Parade zu Ehren Nelson Mandelas, der Symbolfigur für den Freiheitskampf und die Gleichstellung der Schwarzen, sowie die Feierlichkeiten am Tag der Arbeit mit dem obligatorischen Marsch der Gewerkschaften. In Paris und in Berlin wiederum spürte er den veränderten Rhythmus der beiden europäischen Städte bei Nacht auf. Entstanden sind authentische Abbildungen dieser drei einzigartigen Metropolen und ihrer Bewohner, die trotz ihrer Unterschiedlichkeit bei näherer Betrachtung erstaunlich viele Parallelen aufweisen.

Jörg Rubbert

Für Jörg Rubbert, geboren 1963 in der Nähe von Hamburg, spielt die Straßenfotografie als selbst bestimmtes Arbeitsfeld eine essentielle Rolle. Sie nimmt nicht nur bis heute einen breiten Platz in seinem Werk ein, sondern bestimmt auch seine ästhetische Herangehensweise und seinen Umgang mit der Kamera.

Sein Thema ist dabei weniger die Stadt als sich entwickelnder urbaner Organismus, sondern die Stadt als Bühne und Handlungsraum für Menschen, die sich ihr anvertraut haben. Es handelt sich nicht um Stadtansichten, in denen Architektur, Städtebau sowie Sehenswürdigkeiten im Vordergrund stehen, sondern um das vielschichtige und flüchtige Leben in der Stadt.

Bereits 1986 veröffentlichte die international bekannte Schweizer Zeitschrift "Photographie" sein Portfolio "Menschen auf der Straße". Gegen Ende des Jahrzehnts entstanden dann seine umfangreichen Fotoprojekte in Paris, New York und Berlin.

Auf der Straße fotografiert Rubbert ausschließlich in Schwarzweiß. Er verlässt sich dabei immer auf die vorhandenen Lichtverhältnisse ‒ kein Ausleuchten, kein Blitz oder andere technische Raffinessen. Er wählt für seine Aufnahmen ausschließlich Standardobjektive, um den Bildausschnitt so authentisch wie möglich wirken zu lassen.

Jörg Rubbert fotografiert bis heute analog. Bei den Abzügen vermeidet er jegliche manipulative Eingriffe. So sind die fertigen Abzüge keine gestochen scharfen Ansichten mit Messbildcharakter, die einen porentiefen Einblick ins urbane Gewebe geben könnten, sondern lichtgraphische Stimmungsbilder, bisweilen grobkörnig, malerisch und kontrastreich.

Entstanden sind zeitlose Bilder, die von einem starken Interesse für gesellschaftliche Themen und tiefem Einfühlungsvermögen für die Belange der Menschen zeugen: Ihn interessieren maßgeblich die Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen - ihren täglichen Kampf um eine Perspektive und Anerkennung in der Gesellschaft.

Rubbert vertritt die humanistische Richtung in der Photographie, deren Ziel es ist - mit Fokus auf den Menschen in seinem sozialen Umfeld - auch die kleinen Geschichten des Alltagslebens in den Mittelpunkt zu rücken. Jörg Rubbert war von 2009 bis 2014 Galerist und Mitglied in der Fotografenvereinigung AFF (Atelier Freier Fotografen). Er lebt und arbeitet in Berlin.

Michael Nungesser (Kunsthistoriker)

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