Reinhardt Knodt

Pain

Schmerz

Reinhard Knodt verbindet Philosophie und Poesie zu einem untrennbaren Amalgam. Das Buch, das in erster Auflage schnell vergriffen war, zeigt, dass "Schmerz" nicht etwas Negatives, zu Vermeidendes ist, sondern wie Sehnsucht, Heimweh, Liebesschmerz oder Nachsinnen über Verlust zu den wertvollsten Angelegenheiten des Lebens gehört. Thematisiert werden Grundsituationen: Ich bin krank, ich habe geheiratet, ich habe einen Chef, ich habe ein Kind..., aber auch die geistige Verfasstheit unserer Zeit. Die sehr dicht gewebten Texte eignen sich gelegentlich fast zur Meditation, andererseits aber markieren sie auch eine geradezu dringliche Atmosphäre des Appells, "wesentlich" zu werden. Das Ende markiert eine "Lösung", die nicht in der Vermeidung des Schmerzes besteht.

Wie der geläuterte Glückssucher in Voltaires "Candide", so begnügt sich auch der wahre Weise bei Reinhard Knodt damit, "seinen Garten zu bestellen". Nürnberger Nachrichten

Auszug aus dem Buch:

Was wäre das eine Buch ohne die unermessliche Halde aller Bücher? Was wären die Mächtigen der Welt ohne die ungelesenen Bücher? Und was wäre ein guter Satz ohne die Sehnsucht, die wie ein Schmerz aus der Nutzlosigkeit jener Halde von Büchern herausschlägt? Versteht man das? Da ich mir darüber nie sicher bin, sage ich so: Was wäre das Meer ohne den dunklen Winkel im Haus meines Onkels, des Kapitäns, ohne das Ölbild, das sich aufrollt im Alter in der Feuchtigkeit in der unermesslichen Unordnung seiner dunklen Wohnung? Von den richtigen Sätzen, sagt man, geht eine immerwährende Bedrängnis aus. Sie pressen uns gegen die Wand, an der wir mit dem Rücken stehen mit der verzweifelten Kraft von Zuendegehenden. Oder sie ziehen uns fort ins Ungefähre. Aber wer weiß, vielleicht täuschen wir uns und es bedrängen uns die richtigen Sätze gar nicht. Vielleicht locken sie uns nur in die Erde hinunter. Wer das einmal begriffen hat, würde lieber in einem Buchvorkommen, als eines zu schreiben. - In einem der letzten, versteht sich.

Weitere Information