Josef Straka

Kirche im Nebel

Die 1980er Jahre - die Zeit der sogenannten späten Normalisierung, in diese Zeit kehrt der Autor in seinem Buch zurück, um mit seiner Heimatstadt Jablonec nad Nisou (Gablonz an der Neiße) einen inneren Dialog zu führen. Die ganze Stadt wird dominiert von einer Kirche im Nebel; es ist eine Stadt, die Anfang des 20. Jahrhunderts weltberühmt war und die in den 1950er stark industrialisiert wurde. Viele Gebäude wurden abgerissen und - wie aus manchen Texten hervorgeht - zahlreiche Häuser im Stil des sogenannten Sudetenländer Jugendstils befanden sich danach in einem ziemlich beschädigten Zustand. Diese Stadt fängt der Autor in seinen melancholisch-depressiven Texten auf der Schneide zwischen Poesie und Prosa ein.

„Die Kirche im Nebel“ ist eine Art dritter Triptychon-Teil, dessen ersten zwei Teile die prosaisch-
poetischen Bücher „Hotel Bristol„ (2004) und „Město Mons [Stadt Mons]“ (2005) darstellen. Es bildet so einen zusammenhängenden Strom poetischer Rede, die in existenziell gestimmten Texten die den Dichter umgebende Welt beobachtet, durchschreitet und durchdringt.

- Ondřej Hanus

Strakas Poesie wirkt häufig zeitlos oder – genauer gesagt – zeitfrei, durch die Auffassung der Zeit und des Lebens als Vakuum ist sie überraschend gegenwärtig.

 

- Simona Martínková-Racková

KIRCHE IM NEBEL

Worte, die zu jemandem nicht durchdringen.
Ich nehme nur das Wetter wahr, einzelne
Schritte.
Schwarze Schuhe, die sich langsam
vorwärtsbewegen
zum Stadtzentrum.
Eingesunkene Jahre, nicht erlebte
Gegenwart.


Und dann auch Worte wie Nie oder Nun ist
es absolut unmöglich.
Wieder, vielleicht ein hundertstes Mal,
Nicht-Zustimmung. Notwendiges wird
zum Erzwungenen
und das Ganze wiederholt sich fast allzu sehr ...


Die Kirche in meiner Heimatstadt, an der ich
gerade vorbeigehe, ist vor lauter Nebel völlig
unsichtbar. Sie verschwand in ihm, genauso wie
alles in diesem Moment.