Komm her! Ich will dich ruinieren

 

am Samstag 3. Oktober 2015, 19 Uhr
Palm ArtPress, Pfalzburger Str.69, 10719 Berlin

Performance der Gedichte von "Matthias" BAADER Holst durch Peter Wawerzinek
und in englischer Übersetzung durch Annelise Holles.

Anlass der Bild-Text-Aktion der Berliner Künstlerin ist das 25jährige Jubiläum der Schließung des Palastes der Republik im September 1990.

Die Ausstellung zeigt die malerische Langzeitdokumentation der Berliner Künstlerin Runhild Wirth vom Abriss des Palastes der Republik. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln hat sie zwischen März 2007 und Dezember 2008 vor Ort gemalt und den Vorgang in Ölfarbe auf Leinwand "konserviert". Entstanden sind 120 Bilder im Landschaftsformat, 24 x 30 cm. Nachdem 2006 der endgültige Beschluss zum Abriss des "Volkspalastes" im Bundestag gefallen war wurde er nach mehrjähriger Asbestbeseitigung von 2006 bis 2009 demontiert. Eine Lücke mehr war in der historischen Mitte Berlins entstanden. Das letzte Bild vom 14. Dezember 2008 zeigt das Marx-Engels-Forum, die aus den 80ger Jahren stammende Denkmalanlage mit den Vaterfiguren des Sozialismus, vor einer Abrissgrube. Die Serie ergründet den Wandel eines historischen Ortes der Kulturgeschichte der DDR und der "Wendezeit". Das Thema des Totalabrisses schließt den aktuellen Diskurs zur Berliner Stadtmitte und zur Schlossdebatte ein.

In einer performativen Lesung werden Gedichten von "Matthias" BAADER Holst aus der von Ihr zusammen mit dem Schriftsteller Peter Wawerzinek herausgegebenen Publikation "Komm her, ich will dich ruinieren!" Come here I Want to Ruin You. "Matthias" BAADER Holst war ein ost-deutscher unter ungeklärten Umständen 1990 verstorbener Schriftsteller. Peter Wawerzinek arbeitete mit ihm eng zusammen. 1988 entführte er den Dichter aus Halle nach Ost-Berlin in den Prenzlauer Berg. In seiner Untergangslyrik formulierte Holst in einigen Versen schmerzend luftig und frei bei aller düsteren Ausweglosigkeit.Er könnte als Vorreiter der Slam Poetry bezeichnet werden, da er dem Vortrag der Dichtung größere Priorität einräumte. Der Buchtitel entstammt dem Sammelband "traurig wie Hans Moser im Sperma Weinholds". Die Auswahl der Gedichte für das Buch ist aus dieser im roten Schutzumschlag des DDR Bibliothekswesens gebundenen Erstveröffentlichung des Autors, die er nicht mehr erlebte.

Peter Wawerzinek ist bekannt für seine unorthodoxen Lesungen. Meistens wählt er die Texte in seinen Büchern aus, die auch gut von ihm gesungen werden können. Die Musiker mit denen er sich zeigt, begleiten ihn dabei - also große Performance. Wie auch bei "Matthias" BAADER Holst steht das gehörte Wort im Vordergrund. Peter Wawerzinek brachte Stegreif-Gedichte zu Gehör bevor er bekannt wurde.

Mit der "Untergangslyrik" des Dichters "Matthias" BAADER Holst, dem Autor Peter Wawerzinek (Vorwort) und Kommentaren und Berichten zum Palast der Republik gelingt in den Worten Wirths eine "Diagnose der "glücklichen" Verneinung".