Matéi Visniec

MIGRAAAAANTEN!

oder Wir sind zu viele auf diesem verdammten Boot

Sie kommen aus Pakistan, Afghanistan, Al Jaza'ir, Somalia, Hagere Ertra, Irak, Libiyah, Al Maghrib, Haiti und vielen anderen Ländern, deren Traum einer Zukunft  geplatzt scheint. Und es sind Millionen. Wieviele Millionen? Wir wissen es nicht. Sie werden „Migranten“ genannt und sie haben nur eine Obsession: Europa zu erreichen.

Und Europa wird seit Jahren von Panik geplagt. Die verantwortlichen Politiker und die öffentliche Meinung haben verstanden, dass es tatsächlich um die 80 Millionen Menschen gibt, die in Kriegsgebieten leben und internationalen Schutzes bedürfen, sei es beispielsweise durch politisches Asyl in Europa. Die Grenzen jedoch werden nach und nach geschlossen, Stacheldrahtzäune werden aufgestellt. Europa wird sich nicht einig in der Flüchtlingsfrage, im Gegenteil, es erscheint der Versuchung zu erliegen, seine Werte aufzugeben. Eine menschliche Tragödie spielt sich vor unseren Augen ab.

Das Theaterstück hat daher mindestens ein Hauptziel: Gleichgültigkeit zu zerstören.

"Migraaaaanten!" ist eine schwarze Komödie über eine der schlimmsten Tragödi- en unserer Zeit. Sarkastisch und verstörend schließt uns Visniecs Drama alle mit ein. - La Stampa, Italien

In seinem neuesten Stück hat sich Matéi Visniec intensiv mit der größten Frage zu Beginn dieses 21. Jahrhunderts befasst: die Migranten. Die nicht mehr, wie er es in seinem Text hervorhebt, entweder Immigranten oder Emigranten sind. Diesen Worten die Vorsilbe wegzunehmen, bedeutet auch, diese Bevölkerungsbewegungen in den gewaltigen Marsch der Globalisierung einzubeziehen. Das ist die Lektion, die der Berater dem Politiker erteilt, der seine Rede vorbereitet. Aber sie einzubeziehen heißt nicht, sie zu akzeptieren. Die Waren sind frei in Umlauf, aber nicht die Menschen. Um nach Europa zu gelangen, müssen sie das Schlimmste erleiden. Ins Meer geworfen zu werden, wenn das Boot zu schwer ist. Eine Niere oder eine Hornhaut verkaufen, um eine sicherere Überfahrt zu bezahlen. - Jan-Cyril Salemi

Englische Übersetzung: Nick Awde