Filuteks Handbuch der Fragen

Ich war am Hof des Königs der Drunterunddrüberlande, Homlicks des Schönen, genannt der Gekröpfte. Der König fand Gefallen an meinem Talent und an meinem Buckel, hatte er doch selbst einen Kropf, der hoch angesehen war (als Zeichen seiner Macht, verliehen vom allmächtigen Schicksal). Er redete mir zu, an seinem Hof zu bleiben. Auf daß wir das Land gemeinsam regierten. Von diesem Traum ist nichts geblieben als der Brief, den ich auf meinem Tisch fand.


"Auf dem Jahrmarkt der Träume" ist alles in Ordnung. Wenn man die Kleinstadt der Kindheit aufsucht und das Leben dort wieder aufnimmt, "wo man es liegengelassen hat". Ein Gang durch den Ort ruft Erinnerungen wach an die verrückte Marie, die asthmatische Großmutter, an den Jungen, der das Städtchen von einem Baum aus betrachtete, an Luisa, die glaubt, sich für ihr Leben rechtfertigen zu müssen - ein Netz von Geschichten und Perspektiven. Schließlich bricht das erzählende Ich aus dieser erholsamen Provinz auf und erfindet sich einen Schriftsteller. Der "Mikro-Roman" Handbuch der Fragen ist sein Werk, Filutek sein großstädtischer Held.
Carmen-Francesca Bancius Epik von eigenwilliger poetischer Gestimmtheit, in der sich Erzählung und Reflexion durchdringen und "verstören", ist ein einzigartiges Beispiel für eine Literatur, in der sich Realität in Traum und Träume sich in Realität auflösen.
PalmArtPress freut sich, dieses Buch nach fast 20 Jahren neu aufzulegen.

Mit einem Nachwort von Prof. Dr. Dieter Wrobel.

Carmen-Francesca Banciu - Stimmen zum Werk

"Ihre poetischen Ländereien liegen an der Grenze zur Nacht, finster-faszinierende Planquadrate zwischen Himmel und Hölle, denn Carmen-Francesca Banciu schreibt aus der ganzen Schwärze einer balkanischen Innenwelt. Mit dem Blick der literarischen Ethnologin komponiert diese Autorin Minidramen in Prosa, die im Schrecklichen das Komische bannen - und umgekehrt. (...) Nach dem Band 'Fenster in Flammen' liefert ihr eng versponnener Episodenroman immer neue Geschichten um Menschen, die mit ihrem Scheitern ringen; bizarre provinzielle Einzelkämpfer wie die verrückte Marie oder die labile Luisa, die ihr Leben als eine einzige Schuld begreift. Schließlich sind es Filutek, der Dichter der Einbildung, und sein nicht minder fiktives 'Handbuch der Fragen', die verstörende Sätze und scheinbar endgültige Antworten liefern auf all das: auf das Vegetieren und den Irrsinn der Provinz. Changierend zwischen Delirium und Realität, zwischen Tagtraum und Wahn, schreibt die Autorin Philosophisches an der Grenze zum Verstummen, enigmatische Sprachgebilde von fremdartiger, rätselhafter Schönheit: Geschichten aus dem 'Nachtasyl', das Leben heißt."

- Die Weltwoche

"Sich 'trotz allem' eine Identität zu verschaffen und sie verteidigen, das ist das Bestreben von Bancius Akteuren, denn diese Identität rettet sie über die allgegenwärtigen Brüche des Lebens. Sichtbar macht die Autorin die Verwerfungen bis hinein in die Sprache: lakonisch sind die Sätze, Punkte statt Komma regeln den Fluss. Ein eigener, stockend nervöser Rhythmus entsteht. Bancius Blick ist keiner im Zorn, ihr Ton kein Lamento. Distanz zu ihren Texten aber, ist fast unmöglich, so intim porträtiert die Rumänin ihre Figuren. Zwei Stärken offenbart sie dabei: Souverän weiß sie umzugehen mit einer köstlichen Ironie (...). Andererseits vermag sie dichte, fast bizarre Prosageflechte zu spannen.

Zur Zeit arbeitet Carmen-Francesca Banciu an einem Roman. Vielleicht wird auch dies ein kleines Meisterstück über Menschen auf der Gratwanderung zwischen Illusion und Realität."

- Stefan Sprang, Märkische Allgemeine


"Die Erzählungen Carmen-Francesca Bancius sind verdichtete Erfahrungen aus dem Nachtasyl, in das sich ein ganzes Land verwandelt hat. Gegen die Furcht, die wegsieht, von den Dramen der Menschheit hilft nur genaues Hinsehen, und sei es mit abgeschnittenen Lidern, und eine Literatur, die im Schrecken die Komik aufspürt, die sich wappnet mit Trotz, Willensstärke und schöner Respektlosigkeit."

- Roland H. Wiegenstein, WDR


"Man kennt diese Knappheit schon aus Bancius früheren Erzählungen. Die klug verkürzten Sarkasmen, die überraschenden Wendungen vom Erzählerischen ins Kommentierende auf engstem Raum; die vorzeitig abgebrochenen Sätze, die nach einem abrupten Punkt plötzlich ins Widersprüchliche hinein verlängert werden. Oft diente diese Manier zur Bloßstellung einer nur propagandistisch existierenden Wirklichkeit."

- Katharina Döbler, Neue Zürcher Zeitung